Wenn einer eine Reise tut,…

Die Abreise vom Flughafen Düsseldorf fing schon wunderbar an. Die ersten Ferientage in NRW und gebucht, aus Kostengründen eine Chartermaschine nach Miami. Abflug 10:30 ! Kaum eingecheckt hieß es etwa 2 Stunden Verspätung. Aus den 2 Stunden wurden schließlich 8. Lagweiliges Warten unterbrochen von einem miserablen Mittagessen in einem Düsseldorfer Hotel. Als der Kellner das Essen auftrug fragte ich Ihn, ob diese Bewirtung für die Fluggesellschaft häufiger vorkommen würde. Er antwortete " Ja, oft ". Eigentlich wollte ich genau das nicht hören. Nach dem "opulenten" Essen erlaubte ich mir eine weitere Frage: " Wenn Sie mich nun fragen würden, ob das Essen geschmeckt hat…." schon wurde ich unterbrochen mit der Bemerkung: " Ich frage aber nicht ! ". Er wußte wohl wovon er sprach. Schließlich kam ich aber gut in Miami an, erfreulich war, daß ich ohnehin erst am nächsten Tag weiterfliegen konnte, ich verpaßte also nichts.


Der Flug am nächsten Tag nach Tegucigalpa hatte nur 3 Stunden Verspätung. Fast 2 Jahre ist es her, daß ich zuletzt dort war. Erstaunlich, die Büroangestellte erkannte mich sofort am Flughafen, obgleich ich sie vielleicht einmal 10 Minuten bei meinem letzten Besuch gesehen hatte, sie hatte den Auftrag, mich abzuholen. Zwei Stunden Fahrt über noch schlechtere Straßen als das letzte mal, Richtung Danli. Erdrutsche und Steinschläge hatten teilweise ganze Arbeit geleistet. Schließlich angekommen eine herzliche Begrüßung bei laufendem Fernseher und der obligatorischen Cuba Libre. Amerika und Cuba lassen grüßen. Es war Sonntag 18:00 Uhr und ich war ziemlich erledigt und Cuba Libre war nicht ganz mein Ding.

Montag 7:00 ist Start in den Betrieb.


Sehr neugierig darauf, neue Informationen aus erster Hand zu bekommen verläuft der Tag mit langen Diskussionen und Rauchen, ununterbrochen werden neue Cigarren hereingebracht und ich zündete eine nach der anderen an. Neue Ernte für Filler, Mischung mit Indonesischem Tabak, neues Deckblatt, Connecticut aus eigenem Anbau in Honduras, zwischen durch Cohiba aktuell aus Cuba, zur Abschreckung, Neues Deckblatt aus Cubanito gewachsen in Honduras, frische Zigarren aus der Tagesproduktion, solche aus der Lieferung, die Versandfertig steht und inspiziert werden muß usw. usw.

12:00 Mittagessen mit einer Stunde Siesta, Gott sei Dank, mir ist restlos schlecht. Ich nehme ein Aspirin und lege mich hin. Nachmittags wieder im Büro ich vergleiche meine Aufzeichnungen, alles was probiert wurde ist beurteilt und dokumentiert. Stimmt soweit, doch halt, hier muß ich noch einmal nachfassen…..

Ich frage und schreibe und schreibe und frage. Nun meine Wünsche und Notizen, die ich mitgebracht habe. Die letzte Lieferung war nicht so gut, warum wurde die Mischung geändert, die kleinen Formate waren das letzte Mal ausgezeichnet, bitte eine Probe aus der versandfertigen Sendug,die Preise sind in den letzten zwei Jahren zu sehr gestiegen, die Raucher in Deutschland sind damit an der Grenze, ein Kunde möchte eine Jahrgangs cigarre, muß das allerbeste sein….

Wieder werden Kisten hereingebracht Qualität genau das Beste in schöner Aufmachung. Nun der Gang durch die Fabrikation, Tabaksortierung und Fermentation, schau hier die neue Ernte des vorzüglichen Deckblatts, braucht noch ca. 1 Monat in der Fermentation aber probier bitte mal. Es wird ein Wickel gebracht und ich rolle mir eine Cigarre. Etwas grün im Geschmack aber man kann gut einschätzen, was in diesem Tabak steckt, er weckt ausgezeichnete Erwartungen. Welches sind die Tabake für die beste Sorte, die als Jahrgangscigarre in Frage kommt ?Dies und jenes, ich setze mich an den nächsten freien Tisch und mache mir aus diesen Tabaken jeweils pur eine kleine Cigarre. Es erregt Aufmerksamkeit bei den benachbarten Cigarrenmachern erst ungläubige Blicke, dann aber anerkennendes Kopfnicken, ich deute es positiv, leider verstehe ich kein Spanisch, der Tabak ist jedenfalls wirklich hervorragend. Es ist unglaublich, welche Verständigung mit all diesen Leuten möglich ist, wenn man auf der Basis guter Tabakkenntnisse kommuniziert. Ein anerkennender Blick auf den Tabak der im Stapel gerade umgestzt wird das Prüfen einer Hand Tabak vorsichtiges lösen und Aufsetzen einzelner Blätter ein Lächeln den Umstehenden welches mit einem breiten Grinsen erwidert wird, sie wissen was sie tun, sie sind Experten. Exilkubaner, stolz und freundschaftlich, der Tabak verbindet uns. Auch ich bekomme ein Lob, es muß wohl nicht viele Leute in Deutschland geben, die sich mit Tabak so gut auskennen und dazu noch die Familien tradition seit fast 100 Jahren…… Danke. Abends ein wirklich karges Abendessen, ich bin Gast in der Familie und die Hausfrau weilt mit den Eltern in Miami, es scheint, daß die Haushälterin mehr auf die Hausfrau hört, aber gut, ich habe soviel Kaffee getrunken und Cigarren probiert, man findet kaum Geschmack am Essen. Früh zu Bett und ein schier aussichtsloser Kampf mit der etwas betagten Aircondition, schließlich arbeitet etwas mit lauten Geräuschen und ich finde kaum in den Schlaf.

Ich erwache heute wie gerädert und sitze auf denFahrer wartend, dieser soll mich nach Nicaragua bringen. Jedoch wage ich mich kaum an meine letzte Reise dorthin erinnern, es war ein Abenteuer, All meine Hoffnung ruht darauf, es möge besser klappen, die Verabredung ist aber mit ganz anderen Leuten als vormals und man beeilte sich, mir zu versichern, daß man alles für mein Wohlbefinden tun werde. Der Fahrer kommt mit einem uralt Auto und ich erinnere mich mit Grausen an meine letzte Fahrt dorthin, als nämlich das Auto streikte und aus einem kurzen Trip eine Zweitagesfahrt wurde. Gott sei Dank, der Fahrer spricht Englisch, aber es stellt sich heraus, nur etwa 7 Worte. Nun, er soll mich ja schließlich nur bis zur Grenze bringen, dort werde ich ( hoffentlich ) bereits erwartet. Dieses mal geht alles glatt und ich staune, wie kurz die Fahrt eigentlich ist. Kaum macht man Anstalten aus dem Wagen zu steigen, wird man umringt von Jugendlichen, die ihre Dienste anbieten. Worin diese eigentlich bestehen ist mir noch nicht ganz klar, der eine will den Reisepaß, der andere den Koffer, der dritte bis fünfte gleich Geld. Ich versuche, Herr der Lage zu bleiben und weise alles von mir. Auf der anderen Seite des Schlagbaums taucht plötzlich ein gepflegter junger Mann auf, der herumschaut und mich, als er meiner angesichtig wird, anlächelt. Wir gehen aufeinander zu " Señore Philipp ? " Ja, das bin ich und mein Gegenüber ist der Mann mit dem ich verabredet bin. Endlich wieder jemand, der sich mit gepflegtem Englisch mit mir verständigen kann. Es wird nach einigem hin und her einem der Jugendlichen mein Paß mit Visum übergeben und natürlich Geld, aber siehe da, er läuft von Posten zu Posten damit und erledigt die Prozedur der Einreise. Zwischendurch kommt er " Welcher Beruf? "…. " Welches Reiseziel?" ,,, Nach gut einer dreiviertel Stunde ist alles erledigt, Dokumente ausgefüllt mehrfach Geld bezahlt, wofür eigentlich weiß ich nicht recht, denn das Visum ließ sich die Botschaft in Bonn auch schon bezahlen. Auf der anderen Seite erwartet mich ein moderner japanischer Geländewagen mit Klimaanlage und anderen Vorzügen, nebst Fahrer. Dieser wird mir als Sekretär vorgestellt doch der chauffierende Sekretär sieht eher nach Bodyguard aus. Ein gepflegter, verwöhnter junger Bursch aus reicher Familie, genau solche Leute findet man eher selten in der altgewachsenen Branche. Doch der Boom aus den USA schafft neue Umfelder und Strukturen.

 

Wir fahren zur ersten Station einem niedrigen Gebäude welches die Tabakoperation ist. Die langgestreckte Halle weist im Innern sogar zwei Etagen auf, ich muß oben aufpassen, daß ich mit dem Kopf nicht anstoße. Alles ist voll mit Tabak in den unterschiedlichsten Reifegraden bis hin zur Sortierung ist alles unter einem Dach. Die Luft ist unerträglich etwa 100 Leute mögen es sein, die darin ihrer Arbeit nachgehen. Man zeigt mir dies und das aber ich will so schnell wie möglich wieder an die frische Luft, es ist nicht auszuhalten, der beißende Geruch tut ein Übriges und unzählige Male habe ich dies gesehen. Endlich sitzen wir wieder vor der Tür und sprechen über Tabak. Die Fahrt geht weiter nach Condega, man erklärt mir, daß man gerade dort eine neue Fabrik errichtet habe und man noch mit dem Umzug befaßt sei. Leider könne ich noch nicht alles so perfekt sehen, wie es nach dem Umzug anzutreffen wäre. Meine Erinnerung an Condega ist alles andere als perfekt, ein lausiges Nest und ich bin auf alles gefaßt. Ungläubiges Staunen überkommt mich allerdings, als wir vor einem blitzneuen Gebäude haltmachen, welches in neuem Anstrich und mit gekachelten Böden strahlend die Umgebung blendet, dies sei die Fabrik. Ein alter Mann mit knöchernen Händen öffnet die Tür und läßt uns herein. Man werkelt hier und da, allerdings mehr an Gebäude und Sauberkeit, als an Cigarren. Nur wenige Leute kann ich ausmachen die tatsächlich mit Tabak umgehen. Dennoch, fairer Weise muß ich zugeben, dies kann ein Musterhafter Betrieb werden. Plötzlich strebt alles auseinander, ein Blick auf die Uhr verrät mir " Mittagszeit ".

Auch wir können nichts weiter tun, als irgendwo zu essen. Ein nettes kleines und sehr einfaches Restaurant wird angesteuert, etwas außerhalb, eigentlich eher eine Bretterbude, aber man merkt deutlich, es wird daran gearbeitet, nett gestrichen kleine Dächer in verschiedenen Ebenen und die weltumspannenden Plasticstühle. Ob ich Probleme mit dem Essen habe werde ich gefragt, da fällt mir ein, was in jedem Reisehinweis zu lesen ist und von jedem Arzt gepredigt wird. Dennoch, nach der X -ten Reise in solche Regionen wird man gelassener und ich antworte mutig " Nein ". Ein Filet Mignon wird bestellt und doch, angesichts der Umgebung etwas vorsichtig, ohne Salat. Nach etwa zwei Stunden offenbar harter Arbeit in der Küche wird etwas serviert, so wichtigen Gästen gegenüber ist man sichtlich sehr bemüht, doch irgendwie klappte da etwas nicht oder mag sein, der Wind hatte die Seite im Rezeptbuch verschlagen. Schließlich finden wir uns wieder ein in der Fabrik und sitzen an einem riesigen Tisch und ein par Cigarren liegen dort bereit. Ale sehen mehr oder weniger ähnlich aus. Man bittet mich davon zu Kosten. Vielleicht sei an dieser Stelle erwähnt, daß unlängst von eben dieser Firma eine " saumäßige " Lieferung erhalten hatte, die zurückgeschickt werden mußte. So entzünde ich die erste Cigarre. Sieht ganz ordentlich aus, schmeckt aber bescheiden. Entweder hatte man mich nicht richtig verstanden oder man spielte Roulett. Nachdrücklich weise ich darauf hin, daß ich nicht zum netten Plausch hier bin, sondern eigentlich gedächte handfest an der Cigarre zu arbeiten, Tabake auszuwählen, Mischungen festzulegen und die Qualitätskontrolle zu prüfen und festzulegen, Endlich kommt Bewegung in die Sache, es werden verschiedenste Cigarren herbeigeholt Mischengen klassifiziert usw. Rauchen und wieder Rauchen systematische Beurteilung, öffnen von Cigarren Prüfen der Machart und Verteilung der Komponenten Secco , Ligero, Viso. Sieben Mischungen sind aktuell und eine davon schmeckt recht anständig. Eine zweite Cigarre davon und schließlich eine Dritte, stimmt der Charakter ? OK. Sehr kritische Gespräche zwischendurch, es dauert; aber ich kann und will es nicht ändern. Schließlich die Deckblattfrage, das eine oder andere, gibt es Alternativen, wie ist der Habano aus der eigenen Ernte ?

Nach einiger Zeit kommt der Meister mit der Mischung " L " diese frisch gerollt mit dem Habano, der natürlich noch in der Fermentation ist. " L " steht für Lorenzo, so heißt der Meister. Diese Cigarre entzünde ich und finde darin das Beste, was ich an diesem Tage bisher zu rauchen bekam und das, obgleich der Tabak nicht reif ist. Das ist es und jetzt Schluß. Ermüdet fahren wir zu einem kleinen Hotel in Esteli. Die Straße ist eine Ansammlung von Schlaglöchern und ausgewaschenen Rinnen, ADAC - Test Marterstrecke. Doch plötzlich machen wir Halt vor einer neuen Fassade in Mitten all dieser bescheidenen Umgebung. Es ist in der Tat ein entzücken- des kleines Hotel mit etwa zwölf Zimmern, alle mit Dusche und Aircondition, Bei der großen Außenveranda gibt es sogar ein Swimmingpool. In der Bar läuft im Fernsehen Fußball, England gegen Argentinien. Draußen unter dem Dach stehen Billardtische und Fußballspiele Wir ahmen den Worldcup nach, Nicaragua gegen Deutschland, es gelingt mir, die Ehre des Vaterlandes zu retten, knapp gewinne ich 10/9 und 10/8 immerhin, nun ein Drink und ein Sandwich zum Abendbrot. Diskussionen über Preise, Marken und Entwicklungen zwischendurch aber schließlich bin ich müde und liege um 9:45 schon im Bett.

Der nächste Tag bringt einen kurzen weiteren Aufenthalt in der Fabrik, mein Gastgeber hatte über Nacht neue und wunderbare Eingebungen. Mit seinen Vorschlägen kann ich leben, so kann die Rückreise beginnen und am frühen Nachmittag bin ich wieder in Honduras. Die nun folgenden Tage in Honduras sind überwiegend mit Fahrten in die verschiedenen Plantagen ausgefüllt. Bereits am Nachmittag fahren wir zur Haupteinrichtung und besichtigen die verschiedenen Tabaksorten in der Vorbereitung. Die riesigen Trocken schuppen hängen voll mit Tabak. Im Auto sind einige Cigarrenwickel und jemand klettert im Schuppen bis nach oben, um von den frisch getrockneten Blättern einige zu holen, man prüft den Zustand und rollt eine Cigarre aus dem frischen Tabak. Ich probiere, der Tabak, schmeckt grün, grob und bissig. Es ist Conshade aus Anbau Honduras fourth Priming ( 4. Pflückung ). Brennen tut er schon recht gut, sogar ohne den breiten schwarzen Rand, wie man es meist bei frischem Tabak hat. Von dort geht es in die Sortierung. Erste Sortierung nur nach Blattgrößen und etwas beschädigtes und unbrauchbares Material wird herausgenommen. Es werden Bündel daraus geformt und in große Holzkisten gepackt. In diesen Kisten gelangt der Tabak in einen Raum, der ein für mich vollkommen unerträgliches Klima hat. Das Meßgerät zeigt 98 % rel. Luftfeuchtigkeit und 48 Grad Temperatur hier halten wir uns einige Zeit auf und untersuchen verschiedene Tabake, eine Sauna ist nichts dagegen. Es werden Blätter herausgenommen und wir fliehen an die Luft.



Man rollt wieder Cigarren und probiert erneut, Farbe gut, Brand gut und der Geschmack schon deutlich anders, sehr viel milder und von süßlicher Richtung, ausgezeichnet, dieser Tabak wird noch ca. 2 Monate für die verschiedenen Reifeprozesse und Sortierungen benötigen. Allerlei weitere Tabake werden untersucht, besonders die Habano - Deckblätter, diese sind schon länger in der Fermentation, sie werden ebenso beschmeckt und genau nach Farbe und Beschaffenheit betrachtet. Anweisungen zur weiteren Verfahrensweise werden diskutiert und erteilt. Mein Gastgeber ist ein Experte mit haarfeiner Kontrolle jedes einzelnen Schrittes der Verarbeitung, noch keinen Zweiten habe ich bisher so erlebt. Zu guter letzt wird ein Tabak " Corojo " geholt. Dicker im Blatt und dunkler in der Farbe, reif und braun und wunderbar blattig. Wir nehmen einige Blätter mit und fahren zum Büro. " Corojo " ist eine berühmte Havanagattung und hier der ganze Stolz des Pflanzers. Man läßt einige Cigarren daraus fertigen und probiert erneut. Mein Gastgeber findet den bisherigen Zustand hervorragend aber noch zu kräftig. Nach einer Weile fühlt er sich nach eigenen Worten geradezu trunken von diesem Tabak und kurze Zeit später müssen fluchtartig das Büro verlassen, dieser noch zu junge Tabak verursacht Schweißausbrüche und was sonst noch, mein Gastgeber muß sich dringend hinlegen, er hat seinen Meister darin gefunden.

Der nächste Tag führt in die Plantagen. 5 sind es insgesamt, alle sind auf dem Besuchsplan und wir sind den ganzen Tag unterwegs. Einiges hat sich verändert seit meinem letzten Besuch dort. Riesige Flächen sind inzwischen unter weißen Tüchern verschwunden, es wird Shade Grown Tobacco gezogen. Conshade und Habano insbesondere. Die Ernte ist weitgehend eingebracht bis zum 5ten Priming bei den Connecticuts. Große Flächen liegen brach, dort wächst etwas anderes, Düngerpflanzen, der nächste Tabak wird dort erst wieder in 15 Monaten ausgepflanzt. Andere Felder werden mit Traktoren gerade umgebrochen und für die nächsten Pflanzungen in etwa 4 Wochen vorbereitet. Es wird in der Tat an alles gedacht. Z. B. hat man schnellwachsende Bäume angepflanzt, überall dort, wo nicht benötigte Freiflächen zur Verfügung stehen. Für die Aufstellung der weißen Tuchbespannung benötigt man große Mengen etwa drei Meter langer Holzstangen, diese wird man in Zukunft selbst ernten können. In einigen Feldern stehen noch Tabakpflanzen, die nur noch die oberen Blätter aufweisen. Nur wenige haben noch mehr Blatt, von weitem erkannt man bei diesen Blättern helle Flecken in der Blattfläche. Blauschimmel sei das, wird mir erklärt. Gehört hat man ständig davon doch nun habe ich die Gelegenheit, dies vor Ort zu sehen. Er ist schon weitgehend abgetrocknet man sieht noch die inzwischen weißlich/braunen Reste des abgestorbenen Schimmelbefalls, aber er hinterläßt abgestorbene Stellen im Blatt, die fast weiß sind und den Tabak unbrauchbar machen. Leider gibt es bis heute kaum brauchbare und ungefährliche Mittel dagegen und man hofft Jahr für Jahr aus neue, davon verschont zu bleiben.

Wir fahren weiter. Das Saatgut wird inspiziert denn die Saatbeete werden vorbereitet. Insgesamt bringt man zwei Ernten im Jahr ein, eine während der Feuchtperiode und eine in der Trockenperiode beginnend im August. Man erhält jeweils unterschiedliche Charakteristika im Geschmack, denn das jeweilige Klima beeinflußt den Tabak sehr. Auf diese Weise mischt man in der Cigarrenproduktion aus den gelagerten Tabaken entsprechend aus den verschiedenen Ernten. Es ist überall auf den Plantagen viel in Bewegung, zur Erntezeit arbeiten in der gesamten Organisation ca. 2.000 Leute. Nachmittags zurück im Büro, fällt meinem Gastgeber noch ein, daß er mir verschiedene Dinge zeigen möchte. Neue Packungen, Markennamen und dergl. mehr, wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen und tauschen Ideen und Kenntnisse aus und das Wichtigste, wir sind immer einer Meinung, was die Qualität einer Cigarre anbelangt. Freitag Morgen ist es Zeit an Abschied zu denken, aber noch eine Kurze Fahrt zur Farm ist angesetzt. Es dauert länger als geplant und die Zeit wird eng, denn ich muß zu Flughafen nach Tegucigalpa. Der Abschied ist kurz und herzlich, bis zum nächsten Besuch. Die Reise zum Flughafen klappt dennoch, dank einer halsbrecherischen Fahrt eines kühnen Fahrers. Bereits am Abend habe ich die nächste Verabredung in Miami. Der Flug ist pünktlich!

Ph. Schuster