Hier ein kleiner Text, was eine richtige Cigarre haben sollte - wie unsere

Zusammenspiel und Wirkungen von Einlage, Umblatt und Deckblatt für die Cigarre.

Die Cigarre, jeder kennt sie, nicht jeder liebt sie, viele mögen sie, einige wissen etwas, wenige wissen genaues darüber - aber sie kommt ungemein. Die Cigarre bietet einen der wenigen authentischen Genüsse die uns im Ausklang des Jahrtausends noch verblieben sind, sie ist Instanz und gibt Identität. Die Cigarre ist uralt, Cuba berühmt sich der Jahreszahl 1492 und Deutschland der Zahl 1788.

Vieles liegt dazwischen und danach aber eines ist gewiß:

Die Traditionen der Cigarrenmacherkunst sind überall auf der Welt dieselben. Die Cigarre besteht aus Tabak, das weiß jedes Kind, und Sie können versichert sein, daß jedes Blatt gedreht und gewendet, beschnuppert und befühlt, beäugt und beschmeckt wurde, mit allen Sinnen erfaßt, ob es nicht zu etwas Besserem, Anderen oder noch Schöneren tauge.

Kurz, viele Generationen haben unermüdlich in der Faszination Cigarre gelebt und gearbeitet und beständig darüber nachgedacht, wie die immer neuen Launen der Natur aus immer neuen Ernten von Tabak zu einer Perfektion und Harmonie gefügt werden können.

Tabak wächst in vielen Ländern der Erde, natürlich der meiste für die Cigarette. Für die Cigarre eignet sich nicht jeder Tabak, es gibt einige sehr typische Anbauländer für Cigarrentabak, klassisch sind Cuba, Indonesien, Brasilien und die Dominikanische Republik. Daneben findet man sehr viele Unterarten und sehr viel später hinzugekommene, wie Mexico, Honduras, Equador, Nicaragua, Kolumbien, Kamerun, USA und einige mehr.

Da Tabak eine sehr empfindliche Pflanze ist, die stark vom Boden und vom Klima abhängt, findet man in all diesen Tabakregionen völlig unterschiedliche Charakteristika was Beschaffenheit und Geschmack angeht, selbst dann, wenn es sich auch schon einmal um gleiches Saatgut handelt. Es gibt Tabak, der hat die Qualität von Grünkohl und es gibt solchen, der ist so schön, daß er eigentlich viel zu schade ist, daraus Cigarren zu machen, aber das versteht man nur, wenn man jeden Tag mit Tabak umgeht. Solchen Tabak würde man dann am liebsten unter das Kopfkissen legen und nicht mehr hergeben.

Jede Cigarre besteht aus drei wesentlichen Teilen:

Einlage +

 

Umblatt = Wickel +

 

Deckblatt = Cigarre

 

Wie es verschiedene Tabake gibt, so haben sich in der Verarbeitung einige verschiedene Traditionen herausgebildet, die letztlich aber dem gleichen Ziel huldigen. Der wesentliche Punkt: in Europa machen wir Shortfiller - Cigarren in der Karibik sehr viel Longfiller - Cigarren, jedoch keineswegs ausschließlich. Was dies bedeutet ist schnell erklärt.

Es bezieht sich auf den Innenteil der Cigarre, nähmlich auf die Einlage. In Europa sind wir es seit jeher gewohnt Tabak für die Cigarre zu mischen. D.h., es werden Tabake aus verschiedenen Anbaugebieten so miteinander vermengt, daß die Mischung im Idealfall demjenigen schmeckt, der für die Mischung verantwortlich zeichnet. Wenn er dann Glück hat, schmeckt diese Mischnung auch anderen. Aber Spaß beiseite, kennen Sie nicht diese Leute, die Tee - oder Kaffeeschmecker sind, die fein ausgewogen bestimmte Mengen von brasilianischem Kaffee mit kolumbianischen und solchem aus dem Hochland von Nicaragua mischen und damit einen herrlichen Gaumenkitzel zaubern? Oder die Kellermeister, die ein Cuvée für feinen Cognac oder Champus kombinieren ? Schließlich der Küchenchef, der seine köstlichen Saucen auch nicht nur aus Pfeffer, Wasser und Salz zubereiten kann ?

Nichts anderes tun wir, wenn die Mischung für eine Cigarre komponiert wird. Shortfiller heißt dabei, daß der Tabak vom Blattstengel, der Rippe, befreit wird und die Blatteile zerkleinert werden, denn Blattstückchen von ca. 5 mm bis 30 mm im Durchmesser lassen sich nun einmal leichter miteinander vermischen. Wie dies im Einzelnen geschieht, ist das Geheimnis eines jeden Fabrikates, der Stallgerucht, den jeder seinem Produkt mitgibt.

Mit der Tabakmischung für die Einlage bestimmt man den Grundcharakter der Cigarre. Je nachdem, was man erreichen will, kann die Mischung aus wenigen oder vielen Komponenten bestehen. Grundsätzlich kann man sagen, je mehr verschiedene Tabake Verwendung finden, desto gleichmäßiger der Geschmack, da keine Einzelsorte besonders gut oder schlecht durchschmeckt. Daher weisen solche Cigarren auch eine gewisse "Charkterlosigkeit" auf.

Bei der Mischung mit wenig verschiedenen Komponenten kommt es also viel mehr auf die einzelnen Tabaksorten an, jede für sich sollte in Ordnung sein und Charakter mitbringen.

Klassische Mischungen für Shortfiller - Cigarren bestehen aus Havana, Brasil, Java und Domingo. Innerhalb dieser Grundlage gibt es natürlich wieder eine Vielzahl verschiedener Distrikte und damit verschiedener Geschmacksvarianten. Ähnlich wie bei Wein schmecken auch die Tabake unterschiedlicher Lagen sehr verschieden, auch wenn es sich um die gleichen Sorten ( Saaten ) handelt. Letztlich kauft der Tabakexperte sowohl nach dem eigenen Geschmack als auch dem Geldbeutel entsprechend, sprich: für die doch sehr vielen Preiskategorien von Cigarren ergeben sich die Möglichkeiten aus der Kalkulation, von sehr preiswert bis teuer ist eine weite Bandbreite.

Die Einlage der Longfiller - Cigarre besteht idR nur aus Tabaken der Länder und Anbaugebiete, in welchen sie hergestellt sind. Die Unterschiede in der möglichen Mischung sind daher nur geringer, denn in den Grundzügen sind die Tabake zumindest ähnlich.

 

Um den Zusammenhang zu verdeutlichen:

Wenn ich z. B. Havana mit Brasil kombiniere ergibt dies eine hervorragende Harmonie, diese ist aber anders, als wenn ich Havana mit anderem Havana verbinde. Die Eigenschaften von Brasil und Havana sind jeweils völlig anders, sie ergänzen sich aber geschmaklich sehr gut. So gilt für Longfiller - Cigarren aus den Karibikländern allgemein, daß sie eher landestypische Züge aufweisen. Die Art der Herstellung, das Zusammenraffen teilentrippter Blätter, um die Puppe für den Wickel zu formen, die dann in das Umblatt eingeschlagen wird, bedingt noch Anderes. Je nach Durchmesser der Cigarre hat man nur sehr wenige Blätter für die Einlage beisammen, manchmal nur 3 - 4 Stück. Von Mischung kann man dabei kaum noch sprechen.

Es kommt daher auf jedes einzelne Blatt an. Hat man nun das Pech ein nicht so gutes Blatt aus einer nicht so guten Ernte vorzufinden, hat man eben eine nicht so gute Cigarre. Das Risiko wird geringer, wenn der Durchmesser der Cigarre zunimmt, denn dann vermischt sich der Geschmack aus einer größeren Anzahl von Blättern.

Man kommt so nett ins Plaudern und könnte seitenfüllend weiterschreiben, jedoch, mag die Site vielleicht viel zu lang werden ?

Daher kurz: eine gute Cigarre erfordert eine Mischung guter Tabaksorten, die miteinander harmonieren.

Wie dem auch sei, die Einlage ist nicht alles. Möchte man sie prozentual bewerten prägt sie die Cigarre vielleicht zu 60 %. Das Umblatt hat eine wichtige Funktion. Es hält die Einlage zusammen und gibt der Cigarre nach dem Pressen des Wickels die Form und Stabilität. Allein aus mechanischen Gründen wählt man dafür ein dickeres und festeres Blatt. Etwa Java aus Indonesien oder Olor bei den dominikanischen Longfillern. Ein reifes, gleichmäßig braunes Blatt, da lacht das Herz des Spezialisten. Wesentlich dabei ist wiederum der Geschmack: entweder sollte er sehr neutral sein und damit hinter die Eigenschaften der Mischung zurücktreten, oder er hat selbständige Geschmacksausprägungen, die dann sowohl mit der Einlage als auch mit dem Deckblatt korrespondieren müssen. Dies ist gar nicht so einfach aber ich bevorzuge die zweite Variante.

100 % Tabak, davon war bisher die Rede, denn diese Bezeichnung bezieht sich gerade auch auf das Umblatt, welches dabei ein natürlich gewachsenes Tabakblatt sein muß. Aber es gibt auch Bandtabak oder Tabakfolie. Diese wird aus Tabakresten papierähnlich hergestellt und erlaubt eine schnelle und gleichmäßige maschinelle Herstellung. Einem guten Tabakblatt gegenüber hat sie deutliche Defizite im Geschmack. Es gibt aber, wie wir schon gesehen haben, nicht nur guten Tabak. Man muß sich immer darüber im Klaren sein, daß es aus den einzelnen Ernten Spitzentabak immer nur in geringer Menge gibt. Die Spitze ist also ohne das Mittelmaß völlig undenkbar. Und eben hier hat der Bandtabak seine Stärke, denn z. B. preiswerte und " sozialverträgliche " Cigarillos wären anders nicht mehr herzustellen. Viele mittlere Tabakqualitäten wären nicht mehr zu verkaufen, das sichere Ende eines jeden Tabakpflanzers. Aber mal ehrlich, Sie ernähren sich selbst als potentieller Feinschmecker gewiß nicht von Kaviar, eine Currywurst tuts doch auch mal. Man muß sich natürlich nicht damit beschäftigen, wenn man einen guten Qualitätsanspruch für sich reklamiert und in meinem Hause finden Sie Tabakfolie überhaupt nicht.

Das Deckblatt ist sicher mit der wichtigste Bestandteil einer Cigarre. Es wird spiralförmig um die Cigarre gerollt, so daß der jeweils oben liegende Teil das darunter befindliche überlappt und in einem kunstvoll geformten Kopf endet. Dieses letzte Blatt gibt der Cigarre das Gesicht, es verrät handwerkliches Geschick und prägt stark den geschmacklichen Eindruck einer Cigarre. Das Deckblatt kann höchst unterschiedlicher Herkunft sein, Havana, Sumatra, Brasil Connecticut und viele andere.

Jedes Blatt ist speziell gepflückt und sortiert, nach Größe, nach Farbe, nach evtl. Beschädigungen und nach Blattstand an der Pflanze. Das Sandblatt ist der untere Blattstand an der Pflanze und das beste Deckmaterial, denn es ist als erstes reif, hat auf Grund des kräftigeren Wachstums des oberen Teiles der Pflanze eine sehr dünne Struktur und ist geschmacklich besonders fein, weil es weniger Mineralien und andere Stoffe anlagert.

Je höher der Blattstand an der Pflanze, desto kräftiger der Geschmack, dies kann bis zu scharf und bissig bei den Topblättern ganz oben gehen. Bis auf den Tisch des Cigarrenmachers, ist jedes Blatt 7 mal durch sorgfältige Hände gegangen, um es auszuwählen und dem möglichen Zweck zuzuführen. Können Sie sich diese Arbeit vorstellen ?

Und es geht noch endlos weiter, bis Sie die Cigarre in Ihrem Fachgeschäft kaufen können. Jede Ernte ist wieder neu und spannend. Die Farben und Beschaffenheit hängen von Wetter ab. Manches Blatt wird dunkler wenn es sehr feucht war; manches kräftig im Geschmack, wenn es recht trocken war; manches sehr dick, wenn es sehr windig war und manches unbrauchbar, wenn Blauschimmel oder vielleicht Blattläuse da waren. So kann nicht jede Cigarre gleich sein, eine gute Cigarre erhält sich ihre Natürlichkeit. Es geht also nicht ganz so zu, wie bei den Normen für EG Gemüseatrappen. Doch halt, im Ansatz ist es doch schon da. Denken Sie an die ganzen Shade - Tabake, die unter großen Tüchern wachsen, um sie vor dem Wetter zu schützen, durch die diffuse Beleuchtung zu größerem Blattwachstum anzuregen und die Farben des Blattes möglichst hell zu erhalten. Klar, ein helles Deckblatt sieht gut aus, doch geschmacklich sind die gedeckten Farben oft hervorragend. Lassen Sie sich also nicht nur durch das Auge zum Kauf einer Cigarre verleiten, es gehört viel mehr dazu.

Eine gute Umblatt - Deckblatt Kombination macht m.E. etwa 30 % des Geschmackes aus.

Soll ich nun bewerten, welches der beste Tabak ist, so muß ich passen. Es gibt viele Sorten, die absolut gleichwertig nebeneinander stehen, wobei aber die Sorten aus den klassischen Regionen noch immer die besten Eigenschaften verkörpern. Sicher ist Havana auf der Zunge sehr dominant und eine eingefleischter Havanaraucher tut sich manchmal schwer mit anderen Provenienzen. Dies weiß man aber man kann es auch ungestraft nicht mögen. Die Faszination der Cigarre liegt aber gerade in der unglaublichen Vielfalt, so sollte man viel eher an die Cigarre herangehen. So kann man ganz einfach sagen, es gibt verschiedene Cigarren für verschiedene Anlässe, Wetter, Speisen oder Stimmungen. Der Geschmack ist dabei relativ, nur ein gewisser Prozentsatz ist objektivierbar, ansonsten gilt die persönliche Vorliebe.

Nun kann ich Ihnen natürlich nicht ersparen, Ihren eigenen Geschmack zu finden. Langsam tasten Sie sich heran und probiern verschiedenste Produkte, entdecken Sie eine neue Welt und scheuen Sie sich nicht, auch einmal eine schlechte Erfahrung in Kauf zu nehmen, Sie werden gewiß durch eine umso bessere wieder entschädigt.

Mein persönlicher Tip sind natürlich Schuster - Cigarren, der Tradition verpflichtet und immer wieder ein neues Geschmackserlebnis!

Lernen Sie genießen - Ihre Cigarre gehört dazu!

Ph. Schuster